top of page

THOMAS

LAUBER

Wenn Self-Optimization zum Wettkampf wird

  • Autorenbild: Thomas Lauber
    Thomas Lauber
  • 30. Nov. 2025
  • 2 Min. Lesezeit
Alles auf einmal und dies in Perfektion ist illusorisch
Alles auf einmal und dies in Perfektion ist illusorisch

Es gibt diese stille Erwartung, die über unseren Timelines schwebt wie ein glänzender Filter: das perfekte Leben. Smoothie in der linken Hand, Hantel in der rechten und während wir im Eisbad sitzen pflegen wir die Kontakte zu unseren Freunden. Ernährung, Bewegung, Schlaf, Regeneration, soziale Kontakte und mentale Stärke. Sechs Bereiche, die allesamt unser Wohlbefinden bestimmen wie kaum etwas anderes. Und gleichzeitig sechs Baustellen, welche heute viele Menschen mit chirurgischer Präzision optimieren wollen.


Während die Wissenschaft seit Jahren zeigt, wie essenziell diese Grundpfeiler sind, erzählt uns die Gesellschaft – besonders in den sozialen Medien – nur die halbe Wahrheit. Denn irgendwo zwischen Superfood-Bowls und Frühaufsteher-Mantras hat sich eine neue Form von Druck eingenistet: die Gesundheits-Perfektion. Wir wollen gesund sein und geraten gerade deshalb ins Straucheln.


Die entscheidende Frage lautet: Wie behalten wir die Bodenhaftung, ohne in den Perfektionsmodus zu kippen? Wie verbinden wir wissenschaftliche Erkenntnisse mit einem Alltag, der alles andere als planbar ist? Und wie erkennen wir, wann Selbstfürsorge zur Selbstüberforderung wird?


Sechs Dimensionen, die unseren Alltag beeinflussen

Ernährung, Bewegung und Schlaf bilden das biologische Fundament. Sie steuern Energie, Stressreaktionen und Regeneration. Kleine, kontinuierliche Entscheidungen wirken stärker als grosse Vorsätze, die nie umgesetzt werden. Soziale Kontakte, mentale Stärke und bewusste Erholung stabilisieren das Nervensystem. Sie dämpfen Stress, fördern Resilienz und verhindern, dass uns der Alltag überrollt.


Wenn Perfektion lauter ist als Gesundheit

Perfektion ist eine Illusion, die sich als Disziplin tarnt. Sie entsteht aus Vergleichen mit idealisierten Bildern und Routinen anderer. Das Problem ist selten die Information, sondern die Erwartung. Wer perfekt sein will, verliert die Freiheit, gesund zu sein.


Die Wissenschaft zeigt klar: Gesundheit basiert auf der Summe vieler Mikro-Entscheidungen, nicht auf der Perfektion einer einzigen. Das bestätigt etwa die Harvard Study of Adult Development (seit 1938 laufende Langzeitstudie über Gesundheit und Lebensstil). Die Studie verdeutlicht, dass regelmässige kleine Gewohnheiten statistisch stärker wirken als isolierte Höchstleistungen.


Die Gesellschaft, und insbesondere Influencer auf TikTok und Instagram, vermittelt jedoch oft das Gegenteil. Genau deshalb ist es so wichtig, die sechs Dimensionen als Werkzeuge zu betrachten, nicht als Bewertungskriterien. Und ebenso wichtig ist die Tatsache, dass kein Mensch alle sechs Bereiche gleichzeitig perfekt leben kann, weil jedes reale Leben aus Kompromissen besteht. Diese Kompromisse sind kein Versagen. Sie sind normal. Und sogar gesund. Wer dennoch versucht, alle sechs Dimensionen miteinander auf Perfektionsniveau zu bringen, jagt einem Ideal hinterher, das etwa so realistisch ist wie ein Champions-League-Titel meines FC Basel.


Mein Fazit 

  1. Kleine Schritte haben grosse Wirkung

  2. Konsistenz schlägt Perfektion

  3. Flexibilität ist ein Gesundheitsfaktor

  4. Wohlbefinden muss Spass machen und für mich passen


Wir leben in einer Zeit, in der Wissen, Tipps und Ratschläge in Hülle und Fülle vorhanden sind, Gelassenheit jedoch ein knappes Gut geworden ist. Vielleicht ist es genau deshalb an der Zeit, Selbstoptimierung nicht länger als Wettbewerb zu betrachten, sondern als das, was es ursprünglich war: eine Möglichkeit, gut für sich selbst zu sorgen.


Und das gelingt nicht durch Perfektion. Es gelingt, wenn wir das machen, was wir aus freien Stücken wählen, nicht weil es der Trend vorgibt.


 
 
 

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page