Was ich zunehmend vermisse? Stille.
- Thomas Lauber

- vor 7 Tagen
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Am vergangenen Wochenende wollte ich mir wieder einmal in der Sauna etwas Erholung gönnen. Zwei Personen neben mir hatten andere Pläne. Angeregtes Gespräch, nonstop und in normaler Lautstärke, als wäre die Sauna ein Co-Working-Space mit Holzbänken und 85 Grad.
Man kennt das unterdessen bestens auch vom Zug. Der ist mittlerweile zur rollenden Telefonkabine verkommen, selbstverständlich im Lautsprechermodus, damit alle Mitreisenden auch mitbekommen, dass Heidis Knie sich wieder erholt.
Ich habe also resigniert und bin später am Abend noch eine Runde joggen gegangen. Im Dunkeln, mit der naiven Hoffnung, die Augen könnten sich irgendwann an die Nacht gewöhnen, so wie früher in der Pfadi, als wir nachts durch die Wiesen gewandert sind und das Einzige, was geleuchtet hat, der Mond war.
Heute sieht das anders aus. Beleuchtete Gärten, taghelle Hundeplätze. Und wer mir entgegenkommt, trägt ein Lauflicht in der Stärke einer Baustellenlampe.
Das klingt nach Gejammer, ich weiss. Aber es steckt mehr dahinter.
Unser Nervensystem ist schlicht nicht für diesen Dauerreiz ausgelegt. Wer nie wirklich zur Ruhe kommt, schläft schlechter, denkt weniger klar und reagiert auf Kleinigkeiten, die früher einfach abgeperlt wären. Das Heimtückische daran: Irgendwann nimmt man die Überreizung gar nicht mehr als solche wahr, sie ist einfach zum Standard verkommen.
Schlussendlich ist Ruhe jedoch kein Wellness-Trend. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass wir überhaupt leistungsfähig und ausgeglichen bleiben.



Du sprichst mir aus dem Herzen 👍