Keine Ferien. Kein Ruhestand.
- Thomas Lauber

- 28. Feb.
- 2 Min. Lesezeit

Hast Du ebenfalls den Artikel gelesen, der diese Woche in vielen Medien behandelt wurde? Es ging um einen Arzt am Universitätsspital Zürich, der über Jahre hinweg kaum Ferien bezogen hatte, 380 Tage angesammelt hatte, später kollabierte und schliesslich an den Folgen eines Hirnschlags verstarb. 50 Tage vor seiner Pensionierung.
Ich möchte diesen Fall nicht moralisieren und auch keine einfache Ursache-Wirkung-Geschichte daraus machen. Dafür ist er zu komplex. Und doch hat er mich nachdenklich gemacht.
In meiner Arbeit habe ich viel mit leistungsorientierten Menschen zu tun, die viel Verantwortung tragen, viel leisten und auch viel aushalten müssen. Sie identifizieren sich stark mit ihrer Aufgabe und stellen ihre eigenen Bedürfnisse auch mal hinten an. Identifikation und Begeisterung für die Arbeit sind wichtig und auch etwas Schönes. Denn sie ermöglichen erst einzigartige Resultate und begeisternde Ergebnisse.
Gefährlich wird es, wenn die ununterbrochen hohe Pace schleichend zum Dauerzustand wird und ein vermeintlicher Peak in eine chronische Überlastung kippt. Denn unser Nervensystem ist nicht für einen permanenten Hochspannungsmodus gebaut. Es braucht Phasen der Aktivierung und Phasen der Erholung. Wenn diese Balance über einen längeren Zeitraum fehlt, verändert sich die Leistungsfähigkeit, und zwar nach unten. Nicht abrupt, sondern über einen längeren Zeitraum. Der Körper beginnt Signale zu senden. Der Schlaf wird unerholsamer, der Geduldsfaden kürzer und die Müdigkeit steigt.
Im Sport ist die Belastungssteuerung selbstverständlich. Wer nur trainiert und nie regeneriert, wird nicht stärker, sondern verletzungsanfälliger. Bei unseren IT-Systemen planen wir Wartungsfenster, bei Maschinen Standzeiten. Beim eigenen Motor und Betriebssystem hingegen handeln viele, als gäbe es keinen Wartungsbedarf.
Hier braucht es bewusstes Gegensteuern. Regeneration ist kein Luxus und keine Belohnung nach erbrachter Leistung. Sie ist Teil der Leistung. Wer langfristig klar denken, gute Entscheidungen treffen und Verantwortung tragen will, muss seine eigenen Serviceintervalle aktiv planen, oder noch besser, sie zur routinemässigen Selbstverständlichkeit machen.



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